Spaghettoni alla Gricia
Heute mal ein Gericht, das nicht wirklich im Schweinwerferlicht der italienischen cucina steht. Zumindest steht es in den wenigsten italienischen Restaurants auf der Speisekarte.
Ehrlich gesagt, hab ich es bisher in keinem Ristorante in Deutschland jemals auf der Menukarte entdecken können. Vielleicht inkognito unter einem anderem Namen?
Die Rede ist von Spaghetti alla Gricia. Nie gehört? Dann wirds Zeit.
Denn die Spagheti alla Gricia sind nicht nur äußerst köstlich, dazu mit wenigen Zutaten einfach und fix zuzubereiten sondern veranschaulichen auf besonders simple Art und Weise die Evolution von Rezepten.
Die Herkunft der Spaghetti alla Gricia ist -wie so oft- umstritten.
Eine Legende besagt, dass die römische Bezeichnung für Verkäufer von Lebensmitteln, die oft aus der Schweiz und dort aus dem Kanton Graubünden ihre Waren feilboten, namensgebend sei. Der Kanton Graubünden heißt im Italienischen Grigione. Eine andere Erkärung bezieht sich auf die Stadt Griscioni im Latium. Dort wird bis heute jedes Jahr die Festa della Pasta alla Griscion gefeiert.
Ich tendiere zur zweiten Variante, da die Spaghetti alla Gricia Teil des Dreigestirns der römischen Küche darstellen. Und die Gricia ist sozusagen der Dreh- und Angelpunkt dieses Dreizacks.
Was ist also die Gricia? Die Gricia ist ein einfaches Pasta-Gericht, das aus Guanciale, also Speck aus der Schweinebacke, Pecorino Romano, also Schafskäse und Pasta zubereitet wird. Punkt. Mehr nicht. Und doch so viel mehr….
Denn diese Zutaten bilden die Grundlage sowohl der Carbonara, die im Grunde genommen eine Gricia plus Ei ist und der Amatriciana, die on top noch den Tomatensugo zum Besten gibt.
Die Gricia ist also Hebamme für zwei der berühmtesten (und leckersten) italienischen Signature Dishes: La Carbonara und die Amatriciana. Und darüber hinaus auch der Vorfahre der Cacio e Pepe. Soviel zu den familiären Verwirrungen der Cucina Romana...
Weintipp:
Zu diesem herzhaften Teller voller Geschmack braucht es etwas strukturiertes und frisches im Glas. Der Bianco di Morgante aus weiß vinifizerten Nero d’Avola-Trauben dürfte hierzu äußerst gut passen. Mit einem frischen und fruchtigen Kern, einem wundervollen Säurenerv und guter Substanz ist er der ideale Kompagnon auf dieser geschmacksexplosiven Reise. Alla Salute!